Hauptmenü
- 0 Gemeinde
- 1 Rathaus
- 2 Leben
- 3 Freizeit
- 4 Wirtschaft





Woher der Ortsname Dettingen an der Erms stammt, ist nicht durch genaue Erkenntnisse gesichert. Einerseits besagt die geläufige, wissenschaftliche Ansicht, es handle sich bei den Eigennamen um Ableitungen der Siedlungsgründer. Auf "Dettingen" bezogen käme der Name "Tato" als Namensgeber in Frage. Andererseits könnte es sein, dass der Ortsname nicht von einem Personennamen herzuleiten ist, sondern von einer wichtigen, früheren Bedeutung als Gerichtsart. Eine Gerichtsart, die wir heute als Zivilgerichtsbarkeit bezeichnen, nannte man früher Taiding. Das könnte zum Ortsnamen geworden sein. Die ältesten Teile Dettingen an der Erms zeichnen sich noch jetzt im Straßennetz ab: Neben der Schneckenhofengasse umfasst es den Raum zwischen Altem Rathaus, Hülbener Straße, Badstubengasse und Neuffener Straße - ein Viertelkreis, an dessen Mittelpunkt oder Spitze der Anger und das Kirchenareal liegen. Diese Tatsache gibt dem "Bürgerhaus am Anger", welches direkt neben der Kirche am Marktplatz liegt, seinen Namen.

Im Jahr 1089 wird Dettingen an der Erms erstmals schriftlich genannt und zwar im Bempflinger Vertrag, einem Erbschaftsvertrag verwandter Adeliger. Ansonsten sind in den folgenden Jahrhunderten nur sehr wenige Daten überliefert, einmal abgesehen vom 21. Mai 1377. Bei einem ihrer berüchtigten Raubzüge bis vor die schnell geschlossenen Stadttore Urachs besiegten die Reutlinger mit großem Blutvergießen die Württemberger, trieben das Uracher Vieh nach Hause und zündeten den Dettingern die Strohdächer an. Die sich dagegen wehrenden Männer wurden erschlagen.
1482 errichtete Graf Eberhard im Bart in Dettingen an der Erms ein Stift der Brüder vom gemeinsamen Leben. Gründe hierfür sind nicht bekannt - lediglich existiert eine Spekulation, dass die Universität Tübingen ursprünglich einmal in Dettingen an der Erms hätte eingerichtet werden sollen. Zu verdanken haben die Dettinger Graf Eberhard im Bart auch den Chor mit Nordkapelle der Kirche sowie das "Schlössle".
In diesem Gebäude, dem heutigem Rathaus, wohnte von 1575 bis 1596 die interessante Persönlichkeit Susanna von Grafeneck, verheiratete Zillenhart. Die im Ort hoch angesehene Adelstochter zeigte sich vor 400 Jahren erstaunlich emanzipiert: ohne Scheidung und obwohl fromm evangelisch, trennte sie sich von ihrem unguten Mann. Vermutlich verdanken die Dettinger ihren Spitznamen "Goißköpf" ebenfalls Susanna von Zillenhart. Sie führte im Wappen ihres Ehemannes einen halben Steinbock. Eine Legende dagegen berichtet, Geißen hätten die Köpfe aus den Fenstern des Rathauses gestreckt, als Herzog Carl Eugen vorbeifuhr...
Ganz sicher ist, dass Susanna von Zillenhart Namensgeberin fur einen an das Bürgerhaus angrenzenden, wunderschönen Saal ist, den die Dettinger heute gerne für (private) Veranstaltungen oder Kabarett-Tage nutzen.
Mit der Reformation (1534) verschwanden alle Kapellen auf der Gemarkung, dafür erfolgte zeitgleich mit ihnen wohl die Einrichtung der Schule. Der 30jährige Krieg verschonte auch Dettingen an der Erms nicht und so erfuhr die Ermstalgemeinde am 02. November 1634 eine blutige Zerstörung wie seitdem nie wieder. Die Einwohnerzahl stagnierte daraufhin sehr lange.
Erst im 19. Jahrhundert hatte sich im Ort die Bevölkerungszahl und Wirtschaft einigermaßen erholt - ehe der Beginn der Industrialisierung, wetterbedingte Missernten und die Bevölkerungsexplosion zu großen Problemen führten. Diese Gründe und separatistische Glaubensströmungen führten zu Auswanderungen vieler Dettinger nach Südrussland und den USA. Gegen Ende des Jahrhunderts bahnte sich durch die erste Wagenfabrik, die Papierfabrik und die erste Weberei der Vettern Eisenlohr ein grundlegender wirtschaftlicher Wandel an.
Im 20. Jahrhundert sorgte die zweite Industrialisierungswelle durch Einführung des elektrischen Stroms für wirtschaftlichen Wohlstand. Getrübt wurde diese Zeit durch das Dritte Reich und den 2. Weltkrieg. Wesentliche Zerstörungen durch Kriegshandlungen gab es keine. Verluste von lieben Verwandten und Freunden sowie große Not und unermessliches Leid wurden von der irrsinnigen Ideologie des Nationalsozialismus geprägt.
Nach 1960 wurden die Ansiedlung vieler Industriegebiete zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen und Dettingen an der Erms entwickelte sich von dem Auspendler - zur Einpendlergemeinde mit stetig wachsenden Einwohnerzahlen. Dettingen an der Erms vergrößerte sich, Wohnraum musste geschaffen werden.
Am Ende des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Produktions- zur Dienstleistungsgeselltschaft. Infolge dessen war die in den neunziger Jahren gestartete Ortskernsanierung eine zukunftsweisende Entscheidung. Der ständig wachsende Verkehrsfluss wurde aus dem Ortskern verbannt und binnen weniger Jahre erhöhte sich dadurch die Anzahl der Einzelhandelsgeschäfte um mehr als
40 %. Die geschaffenen Plätze und die Orte bieten darüber hinaus viele Möglichkeiten für Märkte, Feste und Veranstaltungen.